Wissenschaft

Wissenschaftliche Interessensschwerpunkte

Schon mit den ersten Lehrveranstaltungen in Köln im Herbst 1983 bei Prof. Bosinski war für mich klar, dass mich der längste Abschnitt unserer Geschichte, der des Paläolithikums, in Zukunft besonders interessieren wird.

Vor allem enge Interaktion der verschiedenen naturwissenschaftlichen Disziplinen mit der urgeschichtlichen Archäologie vermag es, die längste Epoche unserer Geschichte in der notwendigen Breite und Intensität zu erforschen und uns wieder näher zu bringen. Das Wechselspiel von Klima- und Umweltveränderungen und deren Einflüsse auf die menschliche Entwicklung empfinde ich als äußerst spannend.

Von daher war es ein Glücksfall, dass ich bei meiner Tätigkeit am Forschungsbereich Altsteinzeit in Neuwied-Monrepos in einen weitgefächerten Austausch mit zahlreichen Forscherinnen und Forschern, Kolleginnen und Kollegen kam, die mir nach dem Studium die breite Palette einer modernen, interdisziplinären Forschung auf diesem Gebiet näher brachten.

In der Folge konnte ich, vor allem im Rahmen des sechsjährigen interdisziplinären DFG-Schwerpunktprogramms „Wandel der Geo-Biosphäre während der letzten 15.000 Jahre“ – dessen Arbeiten ich für die beteiligten naturwissenschaftlichen Disziplinen im wesentlichen koordinierte – am Mittelrhein zahlreiche Untersuchungen zur Umwelt- und Siedlungsgeschichte der spätpaläolithischen Federmesser-Gruppen unternehmen. Deren Hinterlassenschaften und Umwelt ist durch die mächtigen Ablagerungen des Laacher See-Vulkans, der vor rd. 13.000 Jahren diese Landschaft verwüstete, besonders reich und aussagekräftig überliefert worden.

Meine Geländetätigkeiten – unterstützt durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft, das RGZM Mainz, die Archäologische Denkmalpflege Koblenz, das Arbeitsamt Neuwied sowie den Förderkreis Altsteinzeit in Neuwied – umfasste die Ausgrabung archäologischer Siedlungsplätze und Zeugnisse einer reichen Umweltgeschichte der Zeit vor etwa 13.000 Jahren, dem spätglazialen Allerød-Interstadial.

Diese Grabungen haben von wenigen Tagen bis zu mehreren Monaten angedauert und wurden unter reger Beteiligung zahlreicher in- und ausländischer StudentInnen aus ganz Europa (von Spanien bis Litauen, von Norwegen bis in die Schweiz) sowie den USA und Japan durchgeführt. An den Grabungen haben zumeist um die zehn MitarbeiterInnen gleichzeitig teilgenommen, mitunter auch mehr.

Die Grabungen waren:

1993

– Untersuchungen auf dem allerødzeitlichen Torfmoorfundplatz Miesenheim 4, Kr. Mayen-Koblenz

– Ausgrabung des neu entdeckten Federmesser-Fundplatzes Kettig, Kr. Mayen-Koblenz

1995

– Ausgrabungen auf dem Federmesser-Fundplatz Niederbieber, Stadt Neuwied

1996

– Ausgrabungen auf dem Federmesser-Fundplatz Niederbieber, Stadt Neuwied

– Untersuchungen der allerødzeitlichen Tierfährten in Mertloch, Kr. Mayen-Koblenz

– Ausgrabung und Dokumentation allerødzeitlicher Gehölze im Laacher See-Bims bei Kruft, Kr. Mayen-Koblenz

1997

– Ausgrabungen auf dem Federmesser-Fundplatz Niederbieber, Stadt Neuwied

– Erneute Untersuchungen allerødzeitlicher Tierfährten in Mertloch, Kr. Mayen-Koblenz

– Sondagen in Miesenheim 2 (Botanische Reste unter Laacher See-Tephra)

1998

– Ausgrabungen auf dem Federmesser-Fundplatz Niederbieber, Stadt Neuwied

1999

– Ausgrabungen auf dem Federmesser-Fundplatz Niederbieber, Stadt Neuwied

– Ausgrabung und Dokumentation allerødzeitlicher Gehölze im Laacher See-Bims bei Kruft, Kr. Mayen-Koblenz

– Erneute Untersuchungen allerødzeitlicher Tierfährten in Mertloch, Kr. Mayen-Koblenz

2000

– Erste Ausgrabung eines spätpaläolithischen Fundplatzes über der LST in Bad Breisig (Kr. Ahrweiler) mit Olaf Jöris

2001

– Fortsetzung der Ausgrabungen in Bad Breisig

– Sondagen in der ehemaligen Sandgrube Irlich (Fundstelle späteiszeitlicher Menschenreste)

– Kooperation in der Untersuchung eines spätpaläolithischen Fundplatzes in Boppard (Rhein-Hunsrück-Kreis)

 

Die Ergebnisse dieser interdisziplinär angelegten Arbeiten konnte ich auf einer Vielzahl nationaler wie internationaler Fachtagungen vorstellen und in zahlreichen populären wie wissenschaftlichen Veröffentlichungen darstellen.

1993

– Teilnahme am V. Bilzingsleben-Kolloquium in Jena mit einem Vortrag zum Federmesserfundplatz Kettig

1994

– Teilnahme an der 119ten Tagung der französischen CTHS in Amiens mit einem Vortrag zum Federmesserfundplatz Kettig

1995

– Teilnahme an der Tagung der XII. Subkommission „Epipaléolithique et Mésolithique“ der UISPP in Grenoble mit Vortrag zum Spätpaläolithikum im Neuwieder Becken (mit Martin Street)

1996

– Teilnahme an der Séance SPF / Musée de Préhistoire d’Ille-de-France „L’Azilien et les cultures septentrionales“ in Nemours / F mit einem Vortrag zum Spätpaläolithikum im Neuwieder Becken (mit Martin Street)

– Teilnahme am „Palaeolithic-Mesolithic-Day“ im British Museum, London, mit einer Posterpräsentation.

– Teilnahme am ANALITHIC-Workshop in Groningen mit einem Vortrag zu speziellen Aspekten des Fundplatzes Kettig

1997

– Teilnahme an der Tagung „L’Europe centrale et septentrionale au Tardiglaciaire“ in Nemours / F mit einem Vortrag zum Spätpaläolithikum im Mittleren Rheinland

– Vortrag vor der 67. Jahrestagung der Paläontologischen Gesellschaft in Daun (Eifel) zu den Tierfährten von Mertloch

1998

– Teilnahme am Workshop „Faunal History of the Holocene“ in Berlin mit einem Vortrag zur spätglazialen / frühholozänen Faunengeschichte des Rheinlandes (mit Martin Street)

 – Vortrag vor der „Contactgroep Prehistorie“ (Belgien) in Gent zu jüngsten Ergebnissen der Forschung zum Spätpaläolithikum im nördlichen und mittleren Rheinland

2000

– Teilnahme am 125e congrès CTHS in Lille (Nordfrankr.) mit einem Vortrag (mit Martin Street): „Dix ans de recherches sur le Paléolithique final et le Mésolithique en Allemagne réunie“

– Teilnahme am Workshop „Lateglacial of NW Europe: Magdalenian colonisation and the question of the British Creswellian“ in Oxford mit einem Vortrag über „The Late Glacial Archaeology of the Northern Rhineland at the transition to the Allerød“

2001

– Teilnahme am XI. Bilzingsleben-Kongress in Bad Frankenhausen mit einem Vortrag zur Allerød-Zeit im Neuwieder Becken

– Teilnahme am UISPP-Weltkongress in Lüttich mit zwei Vorträgen:  “Local and regional economic systems of the Central Rhineland Final Palaeolithic (Federmessergruppen)“ und „Final Palaeolithic archaeology of the northern Rhineland and the Belgian Ardennes – state of research“

– Teilnahme an der Sitzung der belgischen „Contactgroep voor Prehistorie“, Namur, mit einem Vortrag zu Bad Breisig

2004

– Einladung zur Teilnahme am Kolloquium zur japanisch-deutschen Archäologie anlässlich der Ausstellung „Zeit der Morgenröte“ zur japanischen Archäologie in Berlin; mit Vortrag zum jüngeren Paläolithikum in Mitteleuropa

 

Hiermit wurde die Grundlage für mein Interesse gelegt, die Entwicklung der Jäger- und Sammlergemeinschaften des Paläolithikums und Mesolithikums unter interdisziplinären Gesichtspunkten zu betrachten, vor dem Hintergrund einer wechselvollen Klima- und Umweltgeschichte während der letzten etwa 2,6 Millionen Jahre.

Da ich im Rahmen meiner dienstlichen Aufgaben bei der Archäologischen Denkmalpflege diesen Interessen nur eingeschränkt nachgehen kann, versuche ich dieses Interesse auch durch meine Lehrveranstaltungen bei den Studentinnen und Studenten der Ruhr-Universität Bochum zu wecken.

Dennoch gelingt es auch immer wieder, meinem Interessensschwerpunkt auch in der täglichen Arbeit ein wenig nachkommen zu können, so im Februar 2008 mit der Entdeckung eines neuen, kleinen mittelpaläolithischen Fundplatzes in den sog. Knochenkiesen der Lippe bei Hamm-Uentrop oder in der Bearbeitung steinzeitlicher Fundkomplexe, wie interessanter mesolithischer Neufunde aus dem Siegerland im Jahre 2009.

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